Rz-Historie

RZCD

 

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25 Jahre Risszeichnen

für Perry Rhodan

 

1977 - 2002

Christoph Anczykowski

Betrachtungen von
Georg Joergens

Mit 25 Jahren Zugehörigkeit zum Team der PERRY RHODAN-Zeichner ist Christoph Anczykowski der "Dienstälteste" unter den aktiven Risszeichnern. Seine ersten Arbeiten veröffentlichte er bereits als Schüler, damals noch unter der Ägide des bekannten PR-Chefredakteurs und Autors Willi Voltz. Seither sind innerhalb der Serie über 75 seiner Arbeiten erschienen.

Christoph Anczykowski gilt unter den Fans als Spezialist für hochdetaillierte Risszeichnungen von Großraumschiffen und aufwendigen Hintergrund-Dioramen. Der pseudo-technische Background und die geschichtliche Kontinuität der Handlung gehören für ihn zu den Pluspunkten der PERRY RHODAN-Serie, für seine Risszeichnungen und Datenblätter betreibt er daher oft aufwendige Recherchen. Die Arbeiten entstehen zumeist in konventioneller Weise mit Tusche und Rasterfolien.

“Die Druckvorlage muss sich immer an dem schwächsten Glied der graphischen Kette orientieren – in diesem Fall an der Papierqualität der PERRY RHODAN-Romane“, meint er dazu. “Hier ist eine hohe Kontrastwirkung gefragt, die sich z.Zt. noch am besten mit konventioneller Zeichentechnik erreichen lässt. Render-Software basiert - wie Spritzpistolen-Arbeiten – auf Halbtönen und führt in den Heften teilweise zu verschwommenen Abdruckergebnissen, die vom Zeichner nur schwer vorherzusehen sind. Vektororientierte Graphik-Programme bieten zwar eine exzellente Kontrastwirkung, die so erstellten Arbeiten wirken aber für meinen Geschmack graphisch gesehen oft noch zu statisch.“

Neben den Risszeichnungen und Datenblättern zeichnet Christoph Anczykowski in unregelmäßigen Abständen auch Innenillustrationen für die PERRY RHODAN-Romane. Außerhalb der PERRY RHODAN-Serie übernahm er Illustrations-Aufträge für Taschenbücher und Rollenspiele, wobei er aber bisher dem SF-Genre treu geblieben ist.

Man muß schon so etwa in den 800er Bänden der PR-Serie beginnen herumzustöbern, um erste Anzeichen einer Wachablösung zugunsten der zweiten RZ-Generation zu entdecken. Diese neue Zeichnerzunft verdrängte langsam, aber sicher die schon steril und monoton gewordenen Fließband-Produktionen Bernhard Stoessels.

Christoph Anczykowski, der Hobby- und Fanzeichner, begann als erster damit, erste tapsige RZ-Schritte mit dem Raumfort der Arkoniden (PR 791) auf den vierwöchentlichen Mittelseiten zu unternehmen, um dann jedoch innerhalb kürzester Zeit mit phantastisch detaillierten und ideenreichen Meisterwerken wie dem DOLAN-Raumer (PR 863) oder der Kleinst-Space Jet (PR 900) zu brillieren.

Er war auch der erste, der einen neuen Pfad einschlug, und versuchte, die Zeichnungen nicht mehr nur für sich stehen zu lassen, sondern so eine Art "Zusammengehörigkeit" zu vermitteln. Auch die Sterilität der Zeichnungen sollte sich ändern. Zwar nicht schlagartig, so doch immerhin stetig.

Sein erster erfolgreicher Versuch in diese Richtung war seine Kleinst-Space-Jet, in der zum aller ersten Mal in der RZ-Historie, der Mensch im Größenvergleich zu dem dargestellten Objekt gezeichnet wurde.

Christoph Anczykowski zeigte jedoch nicht nur einen steif und unnatürlich dastehenden Menschen - nur um den Größenvergleich besser darstellen zu können –, sondern er versammelte drei Terraner in natürlich geschäftiger Haltung um die Space-Jet, und gab der Zeichnung somit zu ersten Mal einen Anstrich von Realitätsnähe, wie sie bisher noch nie erreicht wurde.

Zuvor hatte er schon in seinem Raumschiff der ÜBERSCHWEREN (PR 847) versucht, den Realismus zu verstärken, indem er neben zwei Bodengleitern auch ein paar Punkte an einem Antigravschacht versammelte, die vermutlich ein paar Überschwere darstellen sollten, doch gingen diese zu feinen Details in der Größe der gesamten Zeichnung unter.

Anders dagegen sein Raumschiff der WYNGER (PR 951). Hier beschritt Christoph Anczykowski den richtigen Weg, seine Arbeit zu beleben. Er verwendete - wenn auch noch recht klein und zaghaft - am Fuße des Raumers eine typische Raumhafensituation, und ließ nicht weniger als 10 Bodengleiter anfliegen, um eine gewissen Geschäftigkeit hervorzurufen. Um das Ganze auch noch richtig glaubhaft zu machen, erschienen winzigste Punkte zwischen den Gleitern, die eilfertige Bedienstete darstellen sollten, und zum ersten Mal auch einen Rückschluss auf die reale Größe eines solchen Raumers zuließen.

Verwendete bisher jeder Zeichner immer seine eigenen Beiboote zu den dargestellten Raumschiffen - mit viel Glück dann auch mal in "Bewegung" (z.B. wenn ein Beiboot einen Hangar verläßt) - so benutzte ebenfalls Christoph Anczykowski für seinen H.U.S.-Gleiter (PR 955) eine in dem zuvor erschienenen WYNGER-Raumer gezeigte Gleiterform. Und hier erreichte er dann auch - wie schon bei seiner Kleinst-Space-Jet - wieder die Belebung der Szenerie durch eine geschäftig wirkende Anzahl von nicht weniger als 6 Terranern und drei Robotern, die diverse Reparaturen am H.U.S.-Gleiter vornahmen.

Diese Darstellungsweise gab der Zeichnung eine wirklich sehr hohe Glaubwürdigkeit, wenngleich sie im Vergleich zu heutigen Arbeiten noch sehr "blass" war.

Jedoch setzte Christoph Anczykowski mit seinem H.U.S.-Gleiter einen bis heute bestehenden Meilenstein in der Darstellung von "Lebenden Zeichnungen". Keine Arbeit zuvor wirkte so real und lebendig wie diese.

Günter Puschmann, Manuel de Naharro, und Christoph Anczykowski waren so von der Zeichnerei besessen, dass sie die Risszeichnungen zu wahren optischen Kunstwerken gedeihen ließen. Mit der Rasterfolie und dem Diorama wurden aus den ehemals sterilen, technisch nüchternen Risszeichnungen eines Bernhard Stoessel, wirkliche "pseudoreale" Fahrzeuge, die in der Vorstellungswelt des Betrachters viel eher "real" wirken konnten.

Die Gestaltung der Risszeichnung mit dem Diorama (Umgebungsbild) passte die Fahrzeuge oder Objekte so gut in einen "natürlichen" Umweltrahmen, dass man bei manchen Zeichnungen wirklich das Gefühl haben konnte, diese Dinge existierten nicht nur in der Phantasie der Zeichner.

Der wirkliche Durchbruch dieser "neuen" optischen Aufbereitung von Risszeichnungen kam jedoch vom Altmeister der Risszeichnerei, der nach einer dreieinhalbjährige Pause gleich mit seiner Comeback-Zeichnung den etablierten PR-Zeichnern zeigte, wo es in Zukunft lang gehen sollte. Christoph Anczykowski konnte mit seinem Modernen Handelsraumer der Topsider (PR 1203) nicht nur ein "Voll-Diorama" (flächenfüllendes Hintergrundbild) anbieten, sondern er versah das Ganze mit soviel Action durch umhereilende Raumer, Verladeaktionen und ähnliches, daß bei dieser Zeichnung die Tatsache, dass der Aufriss nur etwa ein Fünftel des dargestellten Objektes und sogar nur ein 16tel des gesamten Bildes ausmachte, sekundäre Bedeutung hatte.

Sein nächster Schlag, die Interkontinentalfähre Typ STAR MOTH (PR 1211), brachte diese neue Dimension der Darstellung auf einen Standard, der selbst heute nicht immer erreicht wird. Mit gut platzierten Aufrissen und einem wirklich durchdachten Chaos auf dem Landefeld gehört die Arbeit zu einem der schönsten Paradebeispiele, wie eine optimal gestaltete Risszeichnung aussehen kann. Hinzu kommt noch eine Kleingraphik, welche die Interkontinentalfähre aus einer anderen Perspektive in einer anderen Umgebung zeigt, und so eine wirklich umfassende Betrachtungsweise des Objektes ermöglicht.

Natürlich handelt es sich bei dieser zeichnerischen Entwicklung nicht um einen reinen "Glücksfall", denn etwa zur gleichen Zeit, als die Wandlung der Darstellungsform der Risszeichnungen begann, wandelte sich auch das Bild der Datenblätter.

In Band 1172 griff Christoph Anczykowski mit seinen Vosper Turtle & Vosper Tortouise diese graphische Darstellungsform auf und gab ihr durch bestechende zeichnerische, sowie konzeptionelle Qualität eine neue Bedeutung. Es kann daher wohl auch als gesichert angesehen werden, dass die graphische Ausarbeitung der Datenblätter zu den Risszeichnungen übergriff, und von Christoph durch leichte Vorkenntnisse auf dem Datenblattbereich so hervorragend und konsequent mit in die Risszeichnung umgesetzt wurde.

Diese Vorgabe der graphischen Einbindung des Objektes in ein Diorama verbreitete sich nun zusehends unter den agierenden Zeichnern. Manuel de Naharro knüpfte mit seinem Wohn- und Arbeitsmodulsystem OMEGA (PR 1227/1231) an Christophs Darstellungsform an. Er hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch schon so ziemlich den Zenit seines Schaffens überschritten und befand sich im abwärtsführenden Antigravschacht.

Christoph Anczykowski ist auch einer, der die Spritzpistole mit größter Präzision einzusetzen weiß, jedoch vom Konzept her die Zeichnungen so anlegt, dass der Einsatz des Airbrush nicht so sehr ins Gewicht fällt, sondern eher einen unterstützenden Charakter erhält. Er beschränkt sich aber nicht nur auf Airbrush, sondern er experimentiert auch noch mit anderen graphischen Mitteln, wie z.B. Bleistift und Kohle.

So gehören Christoph Anczykowski's neuere Kugelraumer nicht nur von den Risszeichnungen her zu den ausgewogensten und sicherlich auch realistischst in Szene gesetzten Arbeiten.

Überhaupt ist er der Kugelraumer-Experte schlechthin: von seinen letzten 12 Risszeichnungen (PR 1403 bis 2067) waren immerhin acht Arbeiten Kugelraumer. Ihm verdanken wir die optische Umsetzung der bedeutendsten Kugelraumer der Neuzeit, wie etwa der TS-CORDOBA oder der ODIN, der MONTEGO BAY, die ALVAREZ und das Raumschiff der WÄCHTER-Klasse, sowie sein letzter großer Coup, die Kooperation mit Gregor Paulmann, in der die LEIF ERIKSSON entstand.

 

Georg Joergens