Von Freihand
zur   Folie
              

RZCD

 

zurück

 

Folge 14

Wechselwirkungen

 

Die Geschichte der Risszeichnungen im Rückblick

 

Betrachtungen von Georg Joergens

Die Geschichte der Risszeichnungen ist seit den 80ger Jahren unauflöslich verknüpft mit dem Risszeichnungs-Journal.

Viele bemerkenswerte Arbeiten sind auch ohne all dies gezeichnet wor­den, doch hat es schon immer Bestrebungen ge­geben die Risszeichner zu organisieren und die Zeichnungen besser zu koordinieren.

Erste Versuche in dieser Richtung machte der SFAW (Science Fiction Artist Worksshop) über den Ich jedoch leider nicht mehr als den Namen weiß, und dass neben Manuel de Naharro, Oliver Johanndrees auch Christoph Anczykowski Mitglied waren.

Erkannt hatten die Zeichner schon sehr früh, dass eine übergreifende Absprache und die Standar­disierung der Beiboote bei gleichen Völkergrup­pen, mehr Glaubwürdigkeit in die Zeichnungen bringen würde.

Und tatsächlich wurde mit der Verflechtung der Risszeichner untereinander das Bild der Zeichnungen homogener - die Technik einheitlicher, ausgereifter. Es gab allerdings auch einen negativen Aspekt dieser Vorgehensweise. Während vor dieser Zeit jeder Zeichner einen sehr ausgeprägten eigenen Stil hatte, näherten sich die Zeichner nunmehr in Ihrem Zeichenstil immer mehr aneinander, was manchmal nicht von vorne herein erkennen ließ, von welchem Zeichner welche Zeichnung ge­macht worden war. Nun, dies kann man sowohl positiv wie auch negativ auslegen. Aber letztend­lich hat es sicherlich eine ganze Menge gebracht und die grafischen Strukturen innerhalb der Perry Rhodan-Serie gefestigt.

Auch der RZCD (Risszeichner-Club Deutschland) hatte zu diesem Zeitpunkt noch feste Strukturen und ein aktives Clubleben.

Es gab sogar Zeiten in denen für kompetent gehaltene Risszeichner, die PR-Exposés nach zeichnerisch brauchbaren Ob­jekten durchsuchten und untereinander koordi­nierten, wer welche Arbeit machte. Für die Aus­wertung der in den PR-Exposé vorkommenden Objekte so um Band 1100-1200 war Günter Pu­schmann zuständig (genauere Daten liegen hier­zu leider auch nicht vor). Eine Aufgabe die der Leserschaft von Perry Rhodan wirklich schöne und vor allem interessante Risszeichnungen, wie z.B. Der Verkünder, Der Schwarzen Handschuh, Landrix - die Stählerne Spinne, und die verschiedenen "Armada-Schiffe" etc. bescherte.

Begleitet und mit kritischen Anmerkungen anderer Zeichner versehen, wurden diese Arbeiten durch das RissZeichnungs-Journal. Zu diesem Zeitpunkt ein clubinternes Blättchen, von allenfalls 4-6 Seiten, teilweise einseitig kopiert.

Nachdem die Friesyther Dreierbande (Heinrich Deeken, Ulrich Drees und Karl-Heinz Brinker - alle veröffentlichten bei Atlan oder Orion) so langsam zerfiel und Heinrich Deeken nach einem Zerwürfnis mit Willy Voltz letztendlich das Handtuch warf (was ein guter Anhalter im All nie machen würde = "siehe <Hitchhikers Guide to the Galaxie>") rückte ein Neuer in den eigentlich schon nicht mehr existierenden RZCD vor. Georg Joergens, der durch seine ersten Erfolge bei den Terranauten und seine Kontakte viel durch die anderen Zeichner und die Kritiken im RZJ gelernt hatte, übernahm immer häufiger die Redaktion des Journals und versuchte mit seinen damals sehr bescheidenen Mitteln die Texte (Bleiwüsten) mittels verkleinert abgedruckter RZ's, aufzulockern. Auch sollten dadurch die Zeichner, die diese Arbeiten noch nicht kannten zumindest eine Ahnung davon ha­ben, wovon hier gesprochen wurde.

Dieses Verfahren setzte sich langsam durch und auch die Rezensionen wurden besser und um­fangreicher. Machte es doch mehr Spaß auch zu sehen wovon man lass.

Die Auseinandersetzung mit den Zeichnungen Anderer brachten den meisten Zeichnern auch seine eigenen Arbeiten näher, und er konnte sie aus anderen Blickwinkeln betrachten. Dieses war sehr vorteilhaft für so manchen Zeichner unter uns und gerade für Neuanfänger und Amateure eine wirkliche Möglichkeit mehr über seine Zeichnun­gen zu erfahren. Es steckt letztendlich viel mehr hinter einer Risszeichnung als ein paar bloße Stri­che und Linien die sich zu einem Objekt zusammenfügen.

Ja, Ich möchte fast schon behaupten, dass es eine Art Kult darstellt und die Konzeption und Konstruktion eines Raumers (oder anderen Objektes) einer rituellen Handlung gleichkommt.

Nicht dass der geneigte Leser nun meint, der Ver­fasser dieser Zeilen würde langsam abdrehen, doch muss Ich für meine Person sagen, dass Ich einen ungeheuren Spaß am Risszeichnen habe. Das beginnt bei der Datensuche für ein bestimm­tes Raumschiff - in meinem Fall speziell meine Film/Kino-RZ's.

Eine fast detektivische Suche nach allen greifbaren Daten über das Objekt versetzen mich manchmal geradezu in einen Rausch.

Eine solche Arbeit kann mich so stark in Ihren Bann ziehen, dass Ich bis weit in die Nacht hinein konstruiere und zeichne, bis mir entweder die Augen zufallen, oder meine Frau mir das Licht abdreht.

Manchmal bin Ich so aufgeputscht durch das Zeichnen, dass ich beim Schließen meiner Augen die tollsten und kühnsten Designs und Konstruk­tionen manifestieren, die Ich jedoch leider nicht zu fixieren vermag. Ein regelrechter Strudel aus technischen Formen und Funktionen zieht mich in eine fremde, faszinierende Welt bis ich wirklich einschlafe...

Leider ist am nächsten Morgen von all den phantastischen Dingen nichts mehr reproduzierbar. Ein solches Gefühl macht Lust auf mehr. Mehr risszeichnen - dann befinde Ich mich in einer überaus aktiven und kreativen Schaffensphase in der fast alles gelingt. Aber es gibt auch Zeiten in denen fehlt jeder Draht zur Technik. Wenn man zu einem solchen Zeitpunkt auch noch ein Objekt bearbeitet, welches man lieber nicht gezeichnet hätte dann macht sich schnell Unlust und Müdigkeit breit.

Eine solche Zeichnung wird dann entweder nur "hingerotzt" und sieht letztendlich auch so aus - oder liegt mehrere Monate in einer Ecke bis sie vollendet wird. Andere verschwinden ganz in den Zeichnermappen.

Das Risszeichnungs-Journal ist fast so etwas wie die Bibel der Risszeichner. Hier kann er sich Motivation und Anregung in lustlosen Zeiten holen. Ein Feuerwerk an Ideen und Konzepten. Dies ist wohl auch einer der Gründe, warum mich die Arbeit am RZJ neben dem Risszeichnen so reizt. Wenn Du denkst dass Du gut bist, wirklich gut und hast eine wirklich gute Zeichnung gemacht, dann bekommst Du eine Zeichnung von einem anderen Zeichner auf den Tisch und bist zutiefst frustriert. Dann kommt der Ehrgeiz und Du willst es noch besser machen, und schon greifst Du - so es Deine Zeit erlaubt - wieder zum Stift. Ein produkti­ver Kreislauf in dem das RZJ einen sehr motivie­renden Stellenwert einnimmt.

Dies trifft auch auf Rezensionen und Artikel zu. Der Austausch der Ideen und Meinungen sind im Risszeichnungs-Journal zu einem festen Bestandteil geworden, von dem; und mit dem die Szene lebt.

Gregor Sedlag verfasste regelmäßig in seinen Jahresend-Ausgaben sehr ausführliche Rückblicke über die Aktivitäten der einzelnen RZ-Jahrgänge. Alsbald entstand auch die Artikel-Serie "Von Frei­hand zur Folie" welche in den ersten 3 Teilen von Gregor Sedlag und Günter Puschmann verfasst wurden und in dem Fanzine CERES erschienen, welches auch vom RZCD bzw. Gregor Sedlag und Günter Puschmann erstellt wurden. Nun immerhin hat diese Serie welche ursprünglich die RZ-Historie der Perry Rhodan Serie in nicht ganz ernster Weise betrachtet nunmehr 14. Folgen auf mehrere Jahre hin verteilt. Es ist jedoch nicht möglich die Perry Rhodan Serie und Ihre Risszeichner isoliert zu betrachten. Es gibt unter den einzelnen Serien welche im Laufe der Zeit Risszeichnungen veröffentlicht haben ebenso Beeinflussungen untereinander wie durch das RZJ. Aus diesem Grund wurde der Untertitel dieser Serie auch in "DIE GESCHICHTE DER RISSZEICHNUNGEN IM ÜBERBLICK" umbenannt.

Die Risszeichner-Szene ist sehr kompakt und eigentlich immer schon gewesen. 

Die einzelnen Zeichner haben auf der Suche nach Ihrem eigenen Zeichenstil verschiedenen Phasen durchlaufen und immer wieder neue Experimente mit den Zeichnungen angestellt. Das fing bei der Rasterfolie an, ging über die  Diorama-Hintergründe, Airbrush bis letztendlich zur heutigen Computerarbeit. Wobei hier die Risszeichnung in Reinkultur eigentlich noch weniger anzutreffen ist, da die heutigen Systeme eine solche Vielzahl von Objekten ein­fach schwer verwalten kann. Doch auch hier wird der Weg weitergehen und neue junge Talente werden neue Wege ausprobieren. Ideen gibt es genug. Sie reichen von Aggregate-Datenbanken für "RZ-Puzzle" bis hin zu kompletten Cyberspace-Raumern die mittels Datenhandschuh besichtigt werden können. Dinge die auch aus heutiger Sicht nur schwer realisierbar erscheinen, doch blickt man auf die nunmehr fast 30 Jahre RZ-Historie zurück, so kann man doch sagen dass sich eine ganze Menge getan hat.

 

Der Verkünder Puschmann - PR I Nr. 1175

Der Schwarzen Handschuh Puschmann - PR I Nr. 1184

Landrix - die Stählerne Spinne Puschmann - PR I Nr. 1199

© 1983 by Georg Joergens