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RZCD

 

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Folge 15

PR-Komform?
Das Spezial-Design des André Höller

 

Die Geschichte der Risszeichnungen im Rückblick

 

Betrachtungen von Georg JOERGENS

Üblicherweise werden in dieser Serie die Zusammenhänge und Wechselwirkungen innerhalb der Szene und die Beeinflussung der Zeichner untereinander beleuchtet. In Folge 8 "Der Große Stille aus dem Süden" wurde eine Sonderbetrachtung von Heinz Haßfeld vorgenommen, da er bis zum heutigen Tage im Gegensatz zu allen anderen Zeichnern, seiner markanten Linie und seinem metrischen Zeichenstil treu geblieben ist.

In dieser Folge muss ich ebenfalls einen Zeichner ausklammern und getrennt von dem üblichen Konzept beleuchten. Die Rede ist hier von André Höller!

André Höller ist sicherlich einer der Zeichner der Szene, die am exaktesten und Genausten zeichnen. Die fast schon filigrane Struktur seiner Arbeiten, die trotzdem durch Komplexität und großzügig angelegte Aufrisse überzeugen, sind einmalig und unerreicht. André ist meines Wissens nach der einige Zeichner, der für insgesamt 3 verschiedene Serien gezeichnet hat. Anfänglich erschienen seine ersten Arbeiten bei ORION.

Dort veröffentlichte er folgende Zeichnungen:

Transportschiff PERSEUS

             ORION X

             Raumkreuzer HYDRA

             Erdaußenstation 4

             Datenroboter ARGUS

             Antimateriebombe

             Raumfrachter OMEGA

             Raumaufklärer GANYMED

Leider liegen mir hierzu keine Veröffentlichungsdaten vor, so dass ich nur mit den Titeln aufwarten kann. Die Arbeiten entstanden in der Zeit von 1982 bis 1983 und waren von der Qualität her durchaus schon mit Arbeiten aus Perry Rhodan zu vergleichen. Es sind allesamt metrische Arbeiten gewesen, von denen die letzten beiden sogar schon mit Rastereffekten bearbeitet wurden. 

Die Formen und Strukturen waren durch die Filmvorlagen eindeutig vorgegeben und André hat diese in gelungener Art Weise adaptiert und umgesetzt. ORION pur.....

Nach der Einstellung der ORION-Serie wechselte André endgültig zur ATLAN-Serie über, für die er auch schon vorher einige Zeichnungen gemacht hatte.

Seine erste Veröffentlichung in Band 596 war die Reparaturwerft der SOL. Eine Volldiorama-Zeichnung (eher auch ein Datenblatt, da keine Aufrisse) in absolut klassischer und metrischer Zeichenmanier. PR-typisch der Kugelraumer in Hangar. ATLAN war meiner Meinung nach vom Design her nie so festgelegt wie das PR Universum, obwohl der Hintergrund der gleiche ist. Dies liegt wahrscheinlich nicht zuletzt an der Tatsache dass viele der Fremdrassenschiffe - vor allem die von Paul Delavier gezeichneten - wirklich abstrakt und fremdartig aussahen, während bei Perry Rhodan durch die metrisch exakten Arbeiten von Stoessel, Zengerle und anderer auch die Fremdrassenraumer in der Struktur fast so wie die terranischen Schiffe wirkten.

Trotz löblicher Ausnahmen und vielbesagter Wechelwirkungen blieb die Atlan-Serie von den Zeichnungen her ziemlich selbständig.

Paul Delavier - zu dem ich im übrigen nie Kontakt bekam, obwohl ich ihn mehrmals angeschrieben hatte - zeichnete unbeeindruckt seinen "Minimal-Art-Stil". Von etwa Band  580 bis 744 dominierten die beiden Zeichner Paul Delavier und André Höller die ATLAN-Serie.

Etwa ab Band 700 zeichnete André Höller so gut wie allein für ATLAN. Peter Griese - damals noch Chefredakteur bei ATLAN -  aktivierte Georg Joergens zur Unterstützung. Damit begann für den im RZ-Kreisen und durch das RZJ längst bekannten "Newcomer" der professionelle Einstieg bei Pabel-Moewig. In Band 744 veröffentlichte Georg Joergens mit Die LJAKJAR seine erste Risszeichnung bei ATLAN.

Gut 78 Bände vor Einstellung der Serie wechselte André Höller in das Risszeichner-Lager der Perry Rhodan-Zeichner über und veröffentlichte innerhalb der letzten 78 Hefte auch keine weitere RZ mehr.

Die ATLAN-Serie wurde mit Band 850 eingestellt.

 

Veröffentlichungsdaten von André Höller:

Risszeichnungen

Datenblätter

 

Wie an den oben einsehbaren Listen zu ersehen ist, war André Höller nie ein "Vielzeichner" der es auf eine Unzahl von Veröffentlichungen brachte, sondern bei seinen Arbeiten stand immer die Qualität im Vordergrund. So benötigt er für die Konstruktion und Ausarbeitung seiner Zeichnungen mehr Zeit als andere Zeichner - das Ergebnis ist jedoch in den meisten Fällen um ein Vielfaches besser als vergleichbare Arbeiten anderer Zeichner. Gerade seine letzten 3 großen Risszeichnungen EIDOLON; HAITABU und MINOR GLOBE II sind wahre Kunstwerke geworden in denen eine Vielzahl an kleinen und kleinsten Details steckt, die durch das A4 Format in den Perry Rhodan-Heften nicht, oder nur ungenügend zur Geltung kommen. Aus diesem Grund erschien in einer  RZJ-Ausgabe auch ein kleines »Special« mit A3-Poster zur MINOR GLOBE II, um einer solchen Arbeit zumindest für die RZJ-Leser die entsprechende Würdigung zukommen zu lassen.

Doch drehen wir die Zeitspirale etwas zurück. Nicht alles ist Gold was glänzt, und was ich bei der ATLAN-Serie immer als erfrischend und positiv empfand gilt nicht uneingeschränkt für die PR-Serie. Zu stark ist die Szene vorgeprägt von den vielen Arbeiten der zahlreichen PR-Risszeichner.

So hatte auch ich immer ein ganz bestimmte Bild vom PR-Kosmos - der für mich sinnigerweise fester strukturiert scheint als der von ATLAN -. Und hier setzt ein Kritikpunkt an, den auch andere Zeichner bei André bemängeln.

André ist ein Individualist der konsequent seine Ideen durchkonzipiert und ausarbeitet, was seinen Zeichnungen in den meisten Fällen sehr zu Gute kommt. Aber leider nicht in allen Fällen. Hier stellt oder stellte sich die Frage nach dem PR-komform? Während die ELYSIAN, oder "das fliegende Bügeleisen" wie die Zeichnung auch bezeichnet wird, als Privatjacht sicherlich sehr individuell gestaltet noch glaubwürdig erscheint, stießen bei dem Multivariationsschiff CREDO der Maahks die Meinungen aufeinander. Waren die Schiffe der Maahks vom ursprünglichen Konzept her immer als Walze angelegt, so viel das Multivariationsschiff nicht nur aus dem Rahmen, sondern, es passte nicht nur nach meinem dafürhalten nicht in die Maahk-Linie.

Gravierender werden André's zwar designerisch gute, doch nicht immer PR-komforme Arbeiten bei den Datenblättern. Seine Space-Jet Datenblätter sowie die SNAKE und der SAMURAI-Shift passen irgendwie nicht so ganz in mein Bild der jeweils aktuellen PR-Technik. Während die Space-Jets - im Gegensatz zu den gewohnten Arbeiten von Christoph Anczykowski zu modern erscheinen ist der SAMURAI-Shift ein deutlicher Rückschritt gegenüber Oliver Scholl's TACAN gewesen.

In einem Interview das ich Rüdiger Schäfer für "Perry Rhodan-Perspektive" gab, sagte ich mal: "Wir müssen High-Tech zeichnen die alt aussieht!" Damit meine ich die Diskrepanz zwischen der hypertechnisierten Formenergie die zeichnerisch nicht darzustellen ist, und den Artefakten aus den 60gern die immer noch die Titelbilder - und somit auch das Gesicht der Serie prägen. Jeder neue Arbeit für PR ist eine Gradwanderung zwischen dem was die Leser an Wiedererkennungseffekten aus alten, bekannten Arbeiten gepaart mit dem 60ger-TB-Flair erwarten; und dem was die hypertechnisierung an Darstellungsmöglichkeiten nimmt.

Dieses Phänomen konnte man deutlich an dem Datenblatt zur Allzweck-Bordkombination von (mir) Georg Joergens erkennen. Die Version im RZJ Nr. 88 wäre logisch und richtig gewesen - wirkt aber "zu" modern, also ein paar Attribute aus den 60gern dran, und schon ist eine perfekte PR-Kombi fertig.

Und so stellt sich auch die Frage danach ob eine Zeichnung PR-komform ist oder nicht immer im Zusammenhang mit dem Verständnis des Gesamtbildes, welches man von der Serie hat. André hat (oder hatte) in dieser Hinsicht sicherlich ein etwas anderes Vorstellungsbild als fast alle anderen Zeichner. Seine letzten Zeichnungen befassten sich ja mit absolut typischen PR-Formen die schon seit Äonen festgelegt und unverrückbarer Bestandteil der Serie sind. Und diese Zeichnungen sind wirklich erstklassig, da nicht nur André's hervorragender Zeichenstil stimmt, sondern auch das Design, bzw. die Grundform keine Fragen offen lässt.

 

Quellennachweis:

Reparaturwerft der SOL Andrè Höller - Atlan Nr. 596

Die LJAKJAR  Georg Joergens - Atlan Nr. 744

EIDOLON  Andrè Höller

HAITABU  Andrè Höller

MINOR GLOBE II  Andrè Höller

Multivariationsschiff CREDO der Maahks   Andrè Höller

Space-Jet Andrè Höller -

SNAKE Andrè Höller -

SAMURAI-Shift Andrè Höller -

Shift TACAN G Oliver Scholl -

Allzweck-Bordkombination   Georg Joergens

  ©  by Georg Joergens