Von Freihand
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RZCD

 

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Folge 6

Corporate Identity  & Living Sketches

oder

von der Belebung und Vereinheitlichung der RZs

 

Die Geschichte der Risszeichnungen im Rückblick

 

Betrachtungen von
Georg JOERGENS und Oliver JOHANNDREES

Etwas, dass uns heute als ganz selbstverständlich erscheint und eigentlich gar nicht mehr wegzudenken ist, ist das Selbstverständnis, mit dem die Zeichner heute ihre Zeichnungen in den bestehenden PR-Kosmos sichtbar eingliedern.

In den Anfängen der Risszeichnerei waren zwei Dinge Gang und Gebe:

1. Zu (fast) jeder Raumschiffszeichnung wurde eine Beibootzeichnung angefertigt, welche in der Form dem Hauptschiff immer frapierend ähnlich sah. Auch die technischen Details waren zumeist nur etwas verkleinert wiederzufinden.

2. Um eine bessere Identifizierung der Zeichnung mit dem PR-Kosmos zu erreichen, wurde das dargestellte Objekt in einer kleinen Beizeichnung nochmals in seiner "natürlichen" Umgebung gezeigt. Leider ließen diese Beizeichnungen von der Qualität her, meist sehr zu wünschen übrig, und stellten mit viel Glück noch die bezeichnete Lebensform mit dar.

Dies sollte sich etwa um die 900er Bände ändern.

Christoph Anczykowski, war der Erste der ü einen neuen Pfad einschlug und somit versuchte die Zeichnungen nicht mehr nur für sich stehen zu lassen, sondern so eine Art "Zusammengehörigkeit" zu vermitteln. Auch die Sterilität der Zeichnungen sollte sich ändern. Zwar nicht schlagartig, so doch immerhin stetig.

Sein erster erfolgreicher Versuch in diese Richtung war seine Terranische Kleinst-Space-Jet (PR 900) in der zum allerersten mal in der RZ-Historie, der Mensch im Grössenvergleich zu dem dargestellten Objekt gezeichnet wurde.

Christoph Anczykowski zeigte jedoch nicht nur einen steif und unnatürlich dastehenden Menschen - nur um den Grössenvergleich besser darstellen zu können, sonder er versammelt 3 Terraner in natürlich geschäftiger Haltung um die Space-Jet und gibt der Zeichnung somit zu ersten Mal einen Anstrich von Realitätsnähe wie sie bisher noch nie erreicht wurde.

Zuvor hatte er schon in seinem Raumschiff der ÜBERSCHWEREN (PR 847) versucht, den Realismus zu verstärken indem er neben zwei Bodengleitern auch ein paar Punkte an einem Antigravschacht versammelte, die vermutlich ein paar ÜBERSCHWERE darstellen sollen, doch gehen diese zu feinen Details in der Größe der gesamten Zeichnung unter.

Anders dagegen sein Raumschiff der WYNGER (PR 951). Hier beschritt Christoph Anczykowski zum ersten Mal den richtigen Weg, seine Arbeit zu beleben. Er verwendete - wenn auch noch recht klein und zaghaft - am Fußse des Raumers eine typische Raumhafensituation und ließ nicht weniger als 10 Bodengleiter anfliegen um eine gewissen Geschäftigkeit hervorzurufen. Um das Ganze auch noch richtig glaubhaft zu machen, erschienen winzigste Punkte zwischen den Gleitern, die eilfertige Bedienstete darstellen sollen und zum ersten Mal auch einen Rückschluss auf die reale Größe eines solchen Raumers zuließen.

Zeichnete bisher jeder Zeichner immer seine eigenen Beiboote zu den dargestellten Raumschiffen - mit viel Glück dann auch mal in "Bewegung" (z.B. wenn ein Beiboot einen Hangar verlässt) so benutzte ebenfalls Christoph Anczykowski für seinen H.U.S.-Gleiter (PR 955) eine in dem zuvor erschienenen WYNGER-Raumer benutzte Gleiterform. Und hier verwendete er dann auch - wie schon bei seiner Kleinst-Space-Jet - wieder die Belebung der Szenerie durch eine geschäftig wirkende Anzahl von nicht weniger als 6 Terranern und 3 Robotern, die diverse Reparaturen am H.U.S.-Gleiter vornahmen.

Diese Darstellungsweise gab der Zeichnung eine wirklich sehr hohe Glaubwürdigkeit, wenngleich sie im Vergleich zu heutigen Arbeiten noch sehr "blass" war. Jedoch setzte Christoph Anczykowski mit seinem H.U.S.-Gleiter einen bis heute bestehenden Meilenstein in der Darstellung von "Lebenden Zeichnungen". Keine Arbeit zuvor wirkte so Real und Lebendig wie diese.

Ein weiterer Schritt in dieser Richtung wurde von Heiner Högel beschritten. Nachdem nun Personendarstellungen und Schriftzüge aller Orten schon fast an der Tagesortung waren, machte er seinen Forschungskreuzer der PAX-Klasse (PR 971) zu einer wahren Fundgrube solcher Details. Dabei verwendete er sogar groß schraffierte Flächen um geöffnete Ladeluken für die Besatzung zu kennzeichnen. Dinge die allesamt dazu dienen, die Risszeichnungen aus ihrer Sterilität heraus zu holen und insgesamt "farbiger" und Glaubwürdiger erscheinen zu lassen.

Einen großen Schritt in Richtung "Einheitlichkeit" unternahm Hans Knösslsdorfer mit seinem Raumkreuzer der STAR-Klasse (PR 1067). Hier erscheinen zum ersten Mal gleich fünf zuvor veröffentlichte Objekte aus dem PR-Kosmos in der Zeichnung und geben Ihr somit eindeutig eine Vormachtstellung in der "integrierten" Risszeichnerei! Abgesehen von seinem sehr ungewöhnlichem Design und die Klarheit in der Zeichenaussage (siehe hierzu auch Teil 5 im RZJ 9/10 88), geben diese Objekte der Zeichnung einen ganz neuen Aspekt. Hans Knösslsdorfer verwendete hierfür zwei Jäger seines engen Freundes Oliver Scholl, und zwar den Raumjäger Typ Topsid (PR 895) in etwas modifizierter Form sowie den Stratorsphärengleiter der ARRACIS-Klasse (PR 1011). Desweiteren verwendete er den

H.U.S.-Gleiter und die Kleinst-Space-Jet von Christoph Anczykowski sowie einen Shift-Allzweckpanzer aus Bernhard Stoessels Tuschefeder.

Daneben sind in der Zeichnung noch einige andere Kleinst Details zu sehen, wie Personen und Roboter. Mit dem Raumschiff der STAR-Klasse hatte die Risszeichnerei einen vorläufigen Höhepunkt in der optimierten Darstellungsweise erreicht, der sich in nachfolgenden Arbeiten wiederspiegelte und Bestandteil eines "neuen" Risszeichnungsverständnisses wurde.

Mit den Rasterfolien kam dann auch die "Farbgebung" in den Risszeichnungen, und die Arbeiten wurden noch realistischer. Doch davon mehr in der nächsten Folge:

 

Quellennachweis:

Raumschiff der ÜBERSCHWEREN Anczykowski - PR I Nr. 847 

Raumjäger der Topsid-Klasse  Scholl - PR I Nr. 895 

Terranische Kleinst-Space-Jet  Anczykowski - PR I Nr. 900 

Raumschiff der WYNGER Anczykowski - PR I Nr. 951 

H.U.S.-Gleiter  Anczykowski - PR I Nr. 955 

Forschungskreuzer der PAX-Klasse Högel - PR I Nr. 971 

Stratorsphärengleiter der ARRACIS-Klasse  Scholl - PR I Nr. 1011 

Raumschiff der STAR-Klasse Knösslsdorfer - PR I Nr. 1067

  ©  by Georg Joergens
             & Oliver Johanndrees